100 Gäste aus der gesamten Gemeinde Wesertal kamen am 3. Oktober zusammen
Ein starkes Zeichen für Zusammenhalt, Frieden und demokratische Verantwortung setzten die Bürgerinnen und Bürger am Tag der Deutschen Einheit in Oedelsheim.
Über 100 Gäste aus der gesamten Gemeinde Wesertal kamen am 3. Oktober in der Festscheune des Heimatmuseums zusammen. Das musikalische Einheitsfest, das im Rahmen der bundesweiten Initiative „Deutschland singt und klingt“ stattfand. Es wurde von den Besuchern überaus positiv aufgenommen. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Ortsbeirat Oedelsheim in Abstimmung mit dem Oedelsheimer Stammtisch der Vereine.
Ein besonderer Dank geht an den Heimat- und Verkehrsverein Oedelsheim, der das Heimatmuseum als Ort der Begegnung zur Verfügung gestellt hatte.
Das Programm verknüpfte gemeinsames Singen mit dem Gedenken an die deutsche Teilung. Die musikalische Leitung übernahm Kantor Martin Seimer, der gekonnt zusammen mit Angelika Bittner für die angemessene musikalische Begleitung der Lieder sorgte. Der Chor Colours of Music unter der Leitung von Marjan Backer war mit seinen zwei Liedern eine weitere große musikalische Bereicherung des Abends.
Beim Lied „Wir wollen aufstehen, aufeinander zugehen“ stimmte das gesamte Publikum ein – ein symbolischer Moment gegen Vorurteile und Ost-West-Gegensätze.
Besonders emotional wurde es während des zehnminütigen Zeitzeugengesprächs. Die Moderation erinnerte daran, wie nah die grausame innerdeutsche Grenze mit ihren Wachtürmen und Selbstschussanlagen einst am Wesertal verlief. Wie einschneidend diese Epoche war, schilderten Mandy Bleßmann aus der DDR und Erich Henne aus den alten Bundesländern auf der Bühne.
Erich Henne berichtete von der Nachkriegszeit und das Zusammenwachsen mit den Heimatvertriebenen. Zunächst gab es viele Unterschiede, irgendwann gab es aber nur noch Oedelsheimer. Bleßmann, die in Dresden aufwuchs und 1989 kurz vor dem Mauerfall in den Westen übersiedelte, berichtete von einer behüteten Kindheit, aber auch von ständigen Angst und erlebter Stasi-Überwachung. Sie formulierte den Wunsch, dass Ost und West einander in Zukunft noch viel besser zuhören sollten.
Erich Henne warf die nachdenkliche Frage auf, warum viele Menschen heute oft vergessen, wie gut es uns in der Gegenwart eigentlich gehe.
In den Schlussworten schlug Ortsvorsteher Martin Becker zudem eine Brücke zur jüngsten Bürgermeisterwahl in Wesertal und rief dazu auf, Gräben zuzuschütten und die Gemeinde gemeinsam weiterzuentwickeln.
Nach dem feierlichen Singen der Nationalhymne klang der Abend bei anregenden Gesprächen gemütlich aus, bei dem die Junggesellen den Getränkeverkauf organisierten.
Passend zum Thema wurde eine nordhessische Kartoffelsuppe und eine DDR-Soljanka mit Unterstützung der Landfrauen serviert.
Es bleibt die Erkenntnis, dass solche Veranstaltungen nicht nur der Wesertaler Gemeinde gut tun.
Text: Martin Becker

